Archiv fürJuni 11, 2007

Von bedrohten und vermissten Wörtern

Das Wort des Jahres, das Unwort des Jahres – alle Jahre wieder hören wir sie, alle Jahre wieder kommen Erinnerungen an mehr oder weniger wichtige Ereignisse wieder auf in einem, und wer nachts um drei auf Wikipedia die Liste der ehemaligen Top-Wörter durchliest mag doch ins Schmunzeln ob der damaligen Wichtigkeit der Wörter oder der Dinge, die mit ihnen verbunden werden, kommen.

Heute hingegen wurde der Gewinner eines bis dato eher unbekannten Wettbewerbs bekanntgegeben, „Das bedrohte Wort“, das sich nun anscheinend in die Reihe der bedeutenden Wörter, die den Duden bedeuten, einreihen will. Da saßen also Schriftsteller, Germanisten und Journalisten über knapp 3000 Einsendungen und wollten das bedrohteste Wort (nur des Jahres 2007 oder aller Zeiten? Ich vermute ersteres) küren. Und welches macht natürlich das Rennen?

Kleinod.

Wenn nicht dieses, welches dann (Die Dame, die dieses Wort zum Wettbewerb eingesendet hat, darf sich jetzt übrigens über die „Käseigel“-Trophäe“ freuen)? Vielleicht „blümerant“, „Dreikäsehoch“ oder doch „Labsal“, die allesamt die Plätze hinter dem Kleinod belegten? „Bauchpinseln“, „Augenstern“, „fernmündlich“, „Lichtspielhaus“, „hold“ und „Schlüpfer“ bilden den Rest der Top 10, wenn das mal keine Auswahl ist. Dabei dürften „hold“ unter Mittelalterfans und „Schlüpfer“ unter Amateurerotikschmuddelgeschichtchenautoren noch durchaus beliebt sein. Dabei fanden sich unter den meisteingesendetsten (existiert dieses Adjektiv überhaupt?) Wörtern doch einige durchaus nette Kandidaten.

So bezeichnet der Spiegel die folgende Liste als das Ranking der am meisten vermissten Wörter. Eine gewagte Interpretation, aber wer weiß: Vermissen kann man viel, weshalb also nicht auch Wörter, wenn schon ohnehin die alten Zeiten.

Backfisch (35 Nennungen)
hanebüchen (28)
Sommerfrische (20)
blümerant (16)
Pfennigfuchser (15)
Heiermann, Schutzmann (14)
Bratkartoffelverhältnis, Lichtspielhaus, Steckenpferd (13)
Fisimatenten, Fräulein, Groschen, knorke (12)
Bandsalat, Hagestolz, Schabernack, Gemach (11)

Auch wenn einige Kandidaten dabei sind, die ich wohl noch nie in meinem kurzen Leben gehört habe – andere kann man doch gut und gerne in seinen eigenen Sprachgebrauch wieder einfließen lassen, wenn auch nicht gerade Backfisch (Verfressenes Volk, wir Deutschen) oder den Bandsalat, den bald nur noch Retro-Fans und Nostalgiker bei Video- und Kassettenrekordern erleben dürften.