Archiv fürJuni, 2007

Anti-McDonalds: Kreuzberg und die bayrisches Gemeinde

Es war einmal der Landkreis München; und in diesem Landkreis eine 12.500 Seelengemeinde, zwar nicht unter der Vorherrschaft der CSU, doch mit einer Mehrheit der Freien Wähler im Gemeinderat, die nach bald 16 Jahren Regentschaft und dem Bürgermeister auf dem Thron des Ortes nicht mehr zu 100% die Interessen ihrer Wähler vertreten.

Im Gegensatz hierzu: Berlin-Kreuzberg oder eher der Wrangelkiez. Ebenfalls knapp 12.500 Einwohner, der kulturelle Unterschied zu der kleinen Gemeinde im Münchner Speckgürtel dürfte allerdings klar sein.

Was haben die beiden Standorte also gemeinsam, außer der ähnlichen Einwohnerzahl?

Protest gegen McDonalds.


Spiegel Online brachte vorgestern einen Bericht über die Protestaktion gegen McDonalds in Kreuzberg, und so war ich doch recht überrascht, welche unterschiedlichen Begründungen gegen McDonalds in Kreuzberg und in der kleinen Gemeinde (in der ich übrigens lebe) vorgebracht werden. Für „McWiderstand“ in Kreuzberg geht es um die Abholzung des Amazonas durch McDonalds bzw. die Mitverantwortung an diesem Vorgang, die Arbeitsbedingungen der Angestellten in Filialen der FastFood-Kette und die schnelle Abspeisung durch die FastFood-Kultur an und für sich. Und irgendwo auch die Arbeitsplätze, die durch die Schaffung von 35 Plätzen bei McDonalds gleichzeitig bei möglicherweise schließenden Dönerbuden oder Cafés wegfallen werden. „McRisiko“ argumentiert auf Myspace mit Skorbut unter FastFood-Anhängern – die Bedenken kommen denen in Bayern schon deutlich näher, wo sich sorgende Mütter um Müll im schnieken Vorort und die schlechte Ernährung ihrer Kinder sorgen. Desweiteren scheint folgendes Leitspruch zu sein:

Wenn sich dieser ausbeuterische, profitgeile, krankheitsbringende und erdzerstörerische, kapitalistische multinationale Konzern schon weltweit wie die Pest ausbreitet, sollte zumindest in Kreuzberg Endstation sein.

Mit dabei: Platte JPGs gegen McDonalds, „nette“ Bildunterschriften und Bands wie Seeed und Einstürzende Neubauten in der Freundesliste.

Das Einzige, was man hingegen online gegen McDonalds im kleinen Örtchen findet, ist eine Stellungnahme der Grünen, die sich allerdings noch nicht einmal ausschließlich auf McDo bezieht, sondern auch auf die Tankstelle, die direkt daneben einziehen soll. So ist die Sorge hier:

Zu befürchten steht außerdem, dass die Kombination Tankstelle /MacDonalds, zu einer weiteren Zunahme des innerörtlichen Verkehrs in Kirchheim führen wird. Gesamt-Bilanz aus ökologischer Sicht: eine Katastrophe!

Müll, Verpestung der Umwelt und dicke Kinder – da klingen Regenwaldabholzung und schlechte Arbeitsbedingungen doch schon sehr viel mehr nach Revoluzzer – vielleicht sollten die Kreuzberger und die bayrischen Mamis sich zusammen tun, das wäre dann sicher die beste Aufstandskombo seit dem G8-Gipfel.

Ups, der ist ja auch erst 10 Tage her.

Von bedrohten und vermissten Wörtern

Das Wort des Jahres, das Unwort des Jahres – alle Jahre wieder hören wir sie, alle Jahre wieder kommen Erinnerungen an mehr oder weniger wichtige Ereignisse wieder auf in einem, und wer nachts um drei auf Wikipedia die Liste der ehemaligen Top-Wörter durchliest mag doch ins Schmunzeln ob der damaligen Wichtigkeit der Wörter oder der Dinge, die mit ihnen verbunden werden, kommen.

Heute hingegen wurde der Gewinner eines bis dato eher unbekannten Wettbewerbs bekanntgegeben, „Das bedrohte Wort“, das sich nun anscheinend in die Reihe der bedeutenden Wörter, die den Duden bedeuten, einreihen will. Da saßen also Schriftsteller, Germanisten und Journalisten über knapp 3000 Einsendungen und wollten das bedrohteste Wort (nur des Jahres 2007 oder aller Zeiten? Ich vermute ersteres) küren. Und welches macht natürlich das Rennen?

Kleinod.

Wenn nicht dieses, welches dann (Die Dame, die dieses Wort zum Wettbewerb eingesendet hat, darf sich jetzt übrigens über die „Käseigel“-Trophäe“ freuen)? Vielleicht „blümerant“, „Dreikäsehoch“ oder doch „Labsal“, die allesamt die Plätze hinter dem Kleinod belegten? „Bauchpinseln“, „Augenstern“, „fernmündlich“, „Lichtspielhaus“, „hold“ und „Schlüpfer“ bilden den Rest der Top 10, wenn das mal keine Auswahl ist. Dabei dürften „hold“ unter Mittelalterfans und „Schlüpfer“ unter Amateurerotikschmuddelgeschichtchenautoren noch durchaus beliebt sein. Dabei fanden sich unter den meisteingesendetsten (existiert dieses Adjektiv überhaupt?) Wörtern doch einige durchaus nette Kandidaten.

So bezeichnet der Spiegel die folgende Liste als das Ranking der am meisten vermissten Wörter. Eine gewagte Interpretation, aber wer weiß: Vermissen kann man viel, weshalb also nicht auch Wörter, wenn schon ohnehin die alten Zeiten.

Backfisch (35 Nennungen)
hanebüchen (28)
Sommerfrische (20)
blümerant (16)
Pfennigfuchser (15)
Heiermann, Schutzmann (14)
Bratkartoffelverhältnis, Lichtspielhaus, Steckenpferd (13)
Fisimatenten, Fräulein, Groschen, knorke (12)
Bandsalat, Hagestolz, Schabernack, Gemach (11)

Auch wenn einige Kandidaten dabei sind, die ich wohl noch nie in meinem kurzen Leben gehört habe – andere kann man doch gut und gerne in seinen eigenen Sprachgebrauch wieder einfließen lassen, wenn auch nicht gerade Backfisch (Verfressenes Volk, wir Deutschen) oder den Bandsalat, den bald nur noch Retro-Fans und Nostalgiker bei Video- und Kassettenrekordern erleben dürften.

Knast – Hilton – Knast

Es besteht also doch noch der Hauch einer Hoffnung für das amerikanische Rechtssystem. Wobei die Frage ist, wie viel mehr Angst die Zahl der Google-Einträge zur Entlassung von Paris Hilton machte als die des werten Lost-“Stars“ (sagt man da nicht B-Promi?) Michelle Rodriguez nach nur vier Stunden (116.000 vs. 882). Und das allein im deutschssprachigen Raum. Wobei man sagen muss, dass ich ja auf der englischsprachigen wordpress-Seite unter den Top Beiträgen keinen Treffer zum Suchbegriff „Hilton“ finden konnte, wogegen bei uns in der deutschsprachigen Sektion doch glatt vier an der Zahl zu finden sind (meine Wenigkeit hierbei auf Platz 79, gestern doch glatt 13 Views meines Blogs…ich bin so stolz.).

Interessiert es uns also einfach nur so viel mehr, lachen wir uns eher darüber kaputt? Und wie weit hat ghostdogs Gefängnis-Tagebuch (nun wieder fortgesetzt, halleluja!) die deutsche WordPress-Welt zu Paris Hiltons Gefängnisaufenthalt geführt?

Up to date bin ich ja nun nicht. Nach einem Nachmittag Arbeiten ohne Kontakt zur Netzwelt und einem Abend im Freien blieb mir die Möglichkeit verwehrt, rechtzeitig Neues im Fall Hilton zu erfahren, um darüber auch wirklich sinnvoll bloggen zu können. Die Neuigkeiten kennt inzwischen ohnehin fast jeder, so schnell, wie es hier offensichtlich zugeht. Nett zusammengefasst (und wirklich „In Wort und Bild“) wurde die Aktion vom WortundBild-Blog.

Um diesen Blogeintrag nun also in Sarah Kuttner-Manie zu beenden:

Was wird besser?

Ich erwarte mir für demnächst eine Chronik des Falls Hilton à la Stefan Niggemeier in der deutschen Bloggemeinde oder eine Sonderausgabe des „Spiegel“ über die neue Ikone Paris Hilton ( mit Vergleich zu Marilyn Monroe. Kann ich so natürlich leicht sagen, als Audrey Hepburn-Fan), Lindsay Lohans Wutausbrüche gegen Nick Lachey’s Verlobte, Jessica Simpsons Rolle in der Posse der jungen Drogenabhängigen Hollywoods und natürlich inklusive George Clooney’s Kommentar zur Lage der Nation.

Hilton – Knast – Hilton

45 Tage Haft, 1 1/2 Monate Verzicht auf das süße Leben in L.A. – welch Schreckensvisionen müssen Paris Hilton im Schlaf verfolgt haben, dass sie nun wieder auf freiem Fuß ist.

Wobei, auf freiem Fuß stimmt ja nicht ganz – Fußfesseln muss sie tragen. So entkommt man also einer neun Quadratmeter großen Zelle und kann seine Strafe wenigstens im trauten Heim bei Tinkerbell, Fernseher und Blackberry (wenn nicht gerade gehackt) verbringen.

Paris Hilton bei den MTV Movie Awards, 3. Juni, Los Angeles (AP Photo/Kevork Djansezian)

„Emotional am Boden und traumatisiert“ sei seine Patientin, so Hiltons Psychiater bereits vor 3 Wochen. Nicht auszudenken also, welch Höllenqualen die arme Frau mitmachen musste, als sie noch bei den MTV Awards am 3.Juni gestrahlt hat; ganz nach dem Motto „The Show must go on“

Zu laut, zu hell, wohl auch zu ungemütlich war es ihr im Lynwooder Frauengefängnis, so dass sie nun aus medizinischen Gründen (eine Wertung dieser sei jedem selbst überlassen) überstellt wurde. Ja, sie würde nicht „entlassen“, sondern „überstellt“, nach Hause, wo sie nun die restlichen 40 Tage Strafe absitzen muss.

Ich kann mir nur nicht so ganz vorstellen, dass der Staat Kalifornien bei dieser Regelung an reiche Hotelerbinnen mit entsprechendem Zuhause gerechnet hat, aber vor dem Gesetz sind wir ja selbstverständlich alle gleich. Ob diese Gleichheit auch auf jeden anderen in ihrer Situation angewendet worden wäre, ist freilich die andere Frage.

Immerhin hat sie 11% ihrer Haftzeit auch so verbracht, wie man sich eine Haft vorstellt, also Willkommen zurück in Fast-Freiheit!

Schade hierbei nur, dass ich Ghostdogs Gefängis-Tagebuch mit äußerstem Interesse verfolgt habe – immerhin, 4 Folgen gab es ja :(

(Bild: AP Photo/Kevork Djansezian)

Session #5 – Illegal in der Uni oder: Pausenhof’s Next Topmodel

Illegal,  was hat sie nur getan, dass sie sich Illegal in einer Universität aufhalten konnte?!

Nun gut, über dem Eingang der LMU in München steht ja nicht (ganz im Gegensatz zu den Bahnhöfen des MVV/Münchner Nahverkehrs, für alle Unkundigen), dass man sich in den Gemäuern nur im Besitz eines gültigen Studentenausweises aufhalten darf. Aber den Ausweis habe ich trotzdem nicht, und Semestergebühren habe ich auch nicht gezahlt.

Wäre also das illegal pseudo-geklärt (ja, ich will dramatisieren, vielleicht kommen dann ja mal Besucher auf den Blog!), wieso ich in der LMU war, erklärt sich nun:

Der Michi war so freundlich, mich in seinen Translation-Kurs mitzunehmen, in dem ich das Vergnügen hatte, mir 1 1/2 Stunden Translation-Unterricht von einem Schotten anzuhören, der nicht nur eigentlich sondern auch wirklich Ähnlichkeit mit Harry Potter himself hat.  War ganz interessant, und ich hätte nicht einmal gedacht, dass ich doch so viel verstehen würde.

Nur…Weisheit des Tages:  Ich bin doch irgendwie froh, noch Schülerin zu sein.

Warum?

Weil mir das Studentenleben (logischerweise) doch um einiges stressiger erscheint als das meine. Weil in Schwabing alle Studentinnen am frühen Abend gleich aussehen, alle in T-Shirt und Jeans, alle mit unförmigen Rucksäcken oder Umhängetaschen auf dem Rücken – auf dem Laufsteg der Schülerinnen (= Pausenhof) werden wenigstens noch Geschütze aufgefahren, da will man die Beste und die Schönste sein, da wird gelaufen, als ginge es darum, Germany’s Next Topmodel zu gewinnen und von Bruce Darnell das höchste Lob zu empfangen. H&M trägt zwar jeder, zwar hat jeder fast den gleichen Haarschnitt auf dem Kopf und die armen Handtaschen, in die die nötigsten Utensilien gequetscht wurden, kennt man sowieso alle, aber gut. Ich rede hier übrigens bewusst von Utensilien, denn Hefte und Bücher zählen da seltenst dazu, nur frage ich mich, woher die Mädels im Unterricht dann doch immer ihr Zeug aufs Pult zaubern.

Vielleicht greifen sie alle noch auf Jute-Einkaufstüten zurück. Oder auch nicht, wer weiß, ich bleib bei meinem Dakine Wonder (den übrigens auch jeder hat, der nicht mit Handtasche herumläuft, der aber nicht ganz so unförmig wie manch anderer Rucksack aussieht :P )  und reiss’ hier die Klappe weit auf.

Mucke des Monats – Mai ‘07

 Rechtzeitig zum Start in den Juni, kurz die „Mucke des Monats“ vom Mai 2007 gekürt :D

Daft Punk – Superheroes

Dunkelbunts 2006on45 Mix

Arctic Monkeys – Scummy (Drum ‘n’ Bass Mix)

Rachel Portman – Minor Swing

Bitter:Sweet – Dirty Laundry

Fanta 4 – Tag am Meer

Cake – I Will Survive

Danke für die Aufmerksamkeit und einen schönen (meteorologischen) Sommeranfang