Archiv fürMai, 2007

Session #4 – Wieso heißt imprägnieren…

…eigentlich imprägnieren?

Heute befassen wir also in der Rubrik „Fakten, die das Leben nicht braucht“ mit eben dieser Frage. Dazu müssen allerdings folgende Aspekte im Vorraus geklärt werde

a) Wie kommt es dazu, dass uns diese äußerst wichtige Frage beschäftigt?

b) Wie weit helfen dem Etymologen hierbei seine Latein- bzw. Altgriechischkenntnisse?

c) Wieso will die Verkäuferin bei Deichmann einem immer, aber wirklich immer ein Imprägnier- oder Lederpflegespray andrehen?

Beginnen wir also bei Punkt a). Der genaue Hergang muss hier nicht erörtert werden, doch viel mehr folgender Tatbestand:

Es existiert im Deutschen das Wort „Imprägnierung“ bzw. das Verb „imprägnieren“. Ebenso allerdings auch das lateinische Wort „impraegnare“, welches so viel wie „schwängern“ heißt. Dazu gibt es auch im Deutschen noch die „Imprägnation“, die sowohl den Akt des Imprägnierens als auch die Befruchtung bezeichnet. Recht viel wirres Zeug auf einem Haufen, aber gut, was tut man nicht alles für die Freunde der Etymologie. Kernfrage also: Passt das zusammen? Ich komme zu dem Schluss: Nein!

Also zu Punkt b). Wie schon bemerkt, hilft uns unser Latein hier nicht wirklich weiter, ganz im Gegenteil, es stiftet noch viel mehr Verwirrung (gesetzt dem Fall, dass die Verkäuferin bei Deichmann uns kein Spray zur Selbstbefruchtung verkaufen möchte, aber dazu später). Also kurzerhand auf Griechisch zurückgegriffen (Altgriechischkenntnisse besitze ich zwar nicht, aber wozu gibt es Neugriechisch und Google). Im Altgriechischen gibt es nur den Begriff „ἀρόω„, der soviel wie „ackern; gut machen, urbar machen; säen; befruchten, schwängern; pass., gezeugt werden“ bedeutet – hier also Fehlanzeige, entweder wir versuchen es mit Baskisch oder wir bleiben bei Latein.

Was Befruchtung ist, dürfte allen anwesenden Blog-Lesern hoffentlich klar sein. Imprägnierung hier also noch kurz und knapp von Wikipedia zusammengefasst:

Imprägnierung ist ein Schutz von Gewebestoffen, z. B. Zelten oder Bekleidung, vor Durchfeuchtung.

Imprägnieren ist also einerseits das Schützen von Geweben, dass nichts durchkommt (siehe Beispiel Schuhe -> Deichmann!). Andererseits aber eben auch der Moment, in dem die Samenzelle eben doch durchkommt, nämlich durch die Wand einer Eizelle. Verwirrend, irgendwie. Irgendjemand hat hier versagt, und zwar ganz gewaltig. Vielleicht sollte sich mal das Fernsehen mit dem Thema befassen, ja, gar Harald Schmidt oder Sarah Kuttner in einer Wiederbelebung von „Le Show“, aber ich fühle mich gerade wie Proust und gebe mich angesichts dieses Bergs an möglichen Gedanken und Wirrungen geschlagen.

Aber zu c), der Punkt, der mir ganz besonders am Herzen liegt: Deichmann weiß, dass der Imprägnierschutz von diesen Schuhen nicht länger als einen Regenschauer anhält, höhö :P

Chartgedudel

Auf dem Nachhauseweg eines schönen Frühlingsabends tönte die „Hitparade der Woche“, wie meine Mutter zu sagen pflegt, wenn die Charts im Radio runtergedudelt werden, in unserer Rostkiste von Auto. Schön und gut, in den Charts kenne ich mich schon einige Jährchen nicht mehr aus, und so war ich gelinde gesagt doch etwas überrascht, was da eigentlich gespielt wurde – alte Kamellen?

Kurzerhand gehe ich jetzt also auf mtv.de und mache mich auf die Suche nach der genauen Auflistung der angeblich besten Lieder, die der deutsche Musikmarkt momentan zu bieten hat. (Nebenbei noch schnell für das neue Ohrbooten-Video bei TRL gevotet, auch wenn ich’s nicht anschaue…nach dem netten Myspace-Bulletin kann ich doch nicht widerstehen)

  1. DJ Ötzi & Nik P – Ein Stern
  2. Nelly Furtado – Say It Right
  3. Beyonce & Shakira – Beautiful Liar
  4. Linkin Park – What I’ve Done
  5. Timbaland feat. Nelly Furtado – Give It To Me
  6. Ville Valo & Natalia Avelon – Summer Wine
  7. Mika – Grace Kelly
  8. Avril Lavigne – Girlfriend
  9. Pink – Dear Mr. President
  10. Justin Timberlake – What Goes Around Comes Around
  11. Kaiser Chiefs – Ruby
  12. Basshunter – Boten Anna
  13. Gwen Stefani – The Sweet Escape
  14. Michael Mind feat. Mannfred Mann – Blinded By The Light (kurz bei Youtube reingehört…böse in Richtung „For You“ von den Disco Boys, aber dabei auch noch wirklich lahm, also ne…“For You“ findet sich übrigens auf Platz 27, da fragt man sich doch, wer oder was da seine Finger im Spiel hatte :o )
  15. Nena, Olli & Remmler – Ich Kann Nix Dafür

Auf DJ Ötzi auf Platz 1 muss ich hoffentlich nicht eingehen. Dass Nelly Furtado in allen Formen in den Charts vertreten ist, nun gut, sind ja nette Sachen dabei. Aber was da sonst so rumschwirrt ist größtenteils ja mehrere Monate alt?

Interessant ist übrigens auch, festzustellen, dass weder irgendein Superstar noch irgendein nerviger, hochgepushter Sommerhit dabei sind. Bisher zumindest. Und in den Massen von Emo-Kindern gibt es anscheinend auch nicht genug, die sich auf legale Art und Weise ihren Stoff besorgen.

Auf den MTVschen Kulturschock (allein die Seite reicht mir momentan schon) gibt’s erst einmal den wunderbaren Chocolat-Soundtrack in meinem iTunes :)

Session #3 – Ein Hoch auf die Bürokraten

Anno 2057, die Welt: Ein einziges Chaos.

Die Franzosen können keine Baguettes mehr sehen, die Japaner versagen in Sachen Automobilherstellung, die sudanesische Armee marschiert in die USA ein – aber ein Land, ja in einem Land, da ist noch alles, wie es vor 50 Jahren war. Deutschland hat noch seine Bürokratie, yes!

Welch Dreistigkeit ich mir da heute eigentlich erlaubt habe, doch tatsächlich mit einem Führerscheinantrag ins Rathaus zu gehen und zu erwarten, dass ich sämtliche Formblätter korrekt ausgefüllt, alle beizulegenden Dinge beigelegt habe und mein Antrag auch noch bearbeitet wird!

Aber der Reihe nach. Ich betrete, in Begleitung meiner werten Mutter, die heiligen Hallen der Gemeinde und trete an den Schalter – hierbei sehe ich schon, dass ich mal wieder eine Niete gezogen habe und die Dame erwischt habe, die damals bei meinem Personalausweis schon so rumgezickt hat. Jetzt heißt es schrill „sind die Führerscheine der Eltern aber schon im Landkreis ausgestellt ja?!“

- „Nein, in der Stadt München.“

- „Ja, dann müssen sie aber die Karteikarten abschreiben lassen und an die Verwaltung für den Landkreis schicken lassen. Steht doch auch alles dort drin.“

Ich hatte beide Originalführerscheine (Anmerkung: Ich mach’ Führerschein ab 17, deshalb brauchen die das Zeug meiner Eltern ;) ), beide Reisepässe und noch eine Erziehungsberechtigte live dabei, habe daheim alle Form- und Infoblätter, die ich erhalten habe, dreimal durchgefieselt und jetzt will SIE mir belehrend weismachen, dass es dort stünde. Kurz und knapp meine Reaktion also.

- „Nein, das steht dort nicht dran.“

- „Tja, dann sage ich das jetzt aber.“

Haha. Jetzt müssen also die Karteikarten (!) aus dem Kreisverwaltungsreferat der Stadt München abgeschrieben (!!) werden und per Post (!!!) an die Verwaltung im Landkreis geschickt werden. Wahrscheinlich auch noch handschriftlich, fehlt nur noch die Brieftaube?

Jetzt wird also mein Führerscheinantrag von der Gemeinde aus zur Führerscheinstelle des Landkreises geschickt (ebenso auch die abgeschriebenen Karteikarten – heißt tatsächlich Karteikartenabschrift, man darf sich auf den Seiten des KVR München überzeugen). Von dort bekomme ich dann eine Rechnung über die Antragsgebühr (hätte ich die nicht einfach bar bei der Gemeinde zahlen können?), sobald die Führerscheinstelle die Bestätigung hat, dass ich diese bezahlt habe, wird dann der Antrag nach Berlin geschickt, dort wird meine schicke Plastikkarte hergestellt, und irgendwann darf ich mir diese dann (von welcher Stelle auch immer) abholen. Feine Sache.

Aber nein, diese Bürokratie-Overdose war für heute aber nicht genug. Davor bei meiner Gebärmutterhalskrebsschutzimpfung musste ich zuerst hoch in die Praxis laufen, um mir dann ein Privatrezept zu holen, dann wieder runter laufen, zur Apotheke gehen, 160€ + Rezept auf die Theke legen und mir den Impfstoff aus dem Kühlschrank geben lassen, zurück zur Praxis laufen und mir dann dort von der Ärztin die Spritze verpassen lassen. Weil die Praxis den Impfstoff nicht lagern darf.

Sollte ich mir die nächste Wand suchen, oder doch einfach bis 2067 warten? Vielleicht trägt der vermeintliche Bürokratieabbau ja dann auch tatsächlich Früchte.

Session #2 – 13. Mai 2007

Gibt es heutzutage noch eine Möglichkeit, ein Leben ohne Terminkalender, ToDo-Listen und MindMaps zu führen?

Wenn ja – so verrate sie mir doch bitte jemand. Fängt doch damit an, dass mir mein Fahrlehrer in der Theorie erzählt, dass heutzutage kein Schwein mehr im Straßenverkehr auf den anderen Acht gibt, weil alle nur noch im Termindruck sind und hört bei mir kleinen Schülerin auf, die die nächste Woche höchstwahrscheinlich gerade noch zum Schlafen und Essen daheim sein wird. Zum Kotzen ist das, wie soll das erst noch werden?

Oder ToDo-Listen. Seit meiner Zeit als einstige SMVlerin schreibe ich mir ja selbst immer wieder welche, in meinem schicken Häfft-Timer ist die „ToDo“-Spalte seit 4 Wochen immer voll, das Notizenfeld darunter wird dann auch noch zweckentfremdet, da stehen dann auch noch ToDo-werte Dinge drin. Ich war zwar noch nie ein Mensch, der großartig vergessen hätte, etwas Wichtiges zu erledigen, aber ich glaube, dass die ganze ToDo-Hektik-Panik-MindMap-Organize-Kultur um mich herum mich angesteckt hat.

Organiseritis, so könnte man das ja vielleicht nennen. Werte Duden-Redaktion, solltet ihr das lesen – ich will bitte Geld dafür, dass ich dieses Wort geschaffen habe. Warum?

Weil ich dann ein paar Monate und Wochen weniger jobben muss, was ja momentan auch schon 12 Stunden meiner Woche ausmacht :D