Impressionen aus’m Hasenbergl

Was.ist.das.Hasenbergl, und wieso sollte es mich interessieren, was für Impressionen man aus diesem Viertel mitnimmt, mag sich der schlechtgelaunte Blogleser nun denken. Kurz also erläutert:

Was für Berlin Marzahn (oder einst wohl auch Kreuzberg), das ist für München u.A. Hasenbergl. Wohl das typische “Arme-Leute-Viertel” (allerdings, gleich vorne weg: Der Ausländeranteil liegt nicht wirklich erheblich über dem Münchner Durchschnitt).

Zu den Impressionen komme ich erst später, denn was mich Vorstadtkind ins Hasenbergl führt ist eine andere Frage. Für mein Schulseminar (Radiojournalismus), in dem wir an einem deutschlandweiten Wettbewerb teilnehmen und eine Radiosendung erstellen müssen, muss ich einen Beitrag erarbeiten. Das Thema unserer ganzen Sendung lautet “Jugendliche in der Unterschicht”, das meine Beitrags bezieht sich speziell auf die Bildung und die Perspektiven in der Bildung für solche Jugendliche. Heute ging es also mit einem Mitstreiter (einst waren es zwei, doch hat der zweite eine außerordentliche Glanzleistung im Kotflügeltouchieren hingelegt, so dass er kurz vor endgültiger Abreise doch lieber seinen Hals retten wollte) ins Hasenbergl zu einem Tauchbuchladen, der für die Anwohner eine kostenlose Möglichkeit bietet, an Lesestoff zu kommen. Die Stadt München war so schlau, und hat für kommenden Januar die Verlegung der Stadtbibliothek Hasenbergl bzw. den Zusammenschluss mit der Bibliothek eines benachbarten Viertels, beschlossen, so dass ab diesem Zeitpunkt nur noch der Tauschbuchladen als Anlaufstelle vorhanden ist.

Dass das Interview mit der Leiterin des Ladens bestens lief sei kurz bemerkt, doch ist dies nicht der Kern dieses Blogeintrags. Eher war ich überrascht – oder fast schon geschockt – dass sämtliche Klischees und Vorurteile, die über dieses Viertel jemals den Weg zu mir gefunden haben, in irgendeiner Art und Weise wohl tatsächlich zutreffen.

Kaum dass wir den U-Bahnhof Hasenbergl verlassen und an der Bushaltestelle warten, sehen wir auch schon mindestens eine pseudo-aufgemotzte, röhrende Kiste mit dröhnendem, schlechten Deutsch-Hip-Hop an uns vorbeibrettern. Wenige Leute liefen hier herum, und das am frühen bis späteren Nachmittag. Wenn dann doch mal Passanten unseren Weg kreuzten, dann waren es Senioren, Kinder oder Jugendliche, oder Mütter mit kleinen Kindern. Männer zwischen 19 und 55 sind zu dieser Zeit anscheinend allgemein Rarität. Zwar gibt es viel Grün (mehr als ich erwartet hätte), viele Bäume die Schatten werfen – oder stechen sie unter den grau-bläulich-braunen Plattenbauten und Hochhäusern umso mehr hervor als woanders? Auf jeden Fall fand ich es sehr bedrückend, die breiten Straßen entlang zu gehen und nichts außer ab und zu mal dröhnendem Bass zwischen den Häuserfronten zu hören. Hier und da befand sich jemand auf seinem Balkon, zog aber dann auch schon in Rekordgeschwindigkeit wieder ins Innere seiner Wohnung ab. Insgesamt bot sich uns eine recht trostlose Fassade, hinter der aber sicherlich und hoffentlich nicht nur ebenso trostlose Menschen leben…sonst, hurra Deutschland, hurra München, du Stadt mit der die Meisten nur das Oktoberfest oder Grünwald und Konsorten assozieeren, hohe Mieten und ein recht passables Stadtbild – aber die Wenigsten eine Stadt mit ebenso sozialen Problemen und Brennpunkten.

1 Kommentar »

  1. D. Sagte:

    Im Deutschen Satellitenfernsehen wird oft ueber die soziale „Unterschicht“ in Deutschland berichtet, die deutschen „Ghettos“. Witzig, irgendwie… Deutschland hat Ghettos? Sicher ist es bedrueckend, mit wenig Perspektive aufwachsen zu muessen, in einer deprimierenden Nachbarschaft. Es nervt mich dass alles, was aus den USA kommt nachgeahmt wird, vor Allem weil es nicht wirklich soo toll ist, in einem echten Ghetto zu leben, Drogen zu verfallen (oder sie zu dealen) oder Diskriminiereung zu erfahren. Dabei ist die Jugend in Deutschland privilegiert, hat oft weitaus mehr Moeglichkeiten diesem Kreislauf zu entkommen…nur ein bischen Selbstdisziplin und Ergeiz muessen vorhanden sein. Und positive vorbilder vielleicht noch.
    In Deutschland wird man noch gut aufgefangen vom System, was manchmal zur Folge hat dass diese Menschen sich zu schnell an die Abhaengigkeit vom Staat gewoehnen. Vielleicht auch mit durch Hiphop Kultur ist es keine Schande mehr nicht zur Schule zu gehen, falsche Vorstellungen vom Leben zu haben, faul zu sein – es wird statt auf Englisch auf Deutsch rumgerappt, rumgelaufen mit Hosen die 3 Nummern zu gross sind, weiss der Geier wie sie es hinkriegen dass ihnen diese nicht ganz vom Mors rutschen beim Laufen… die Kinder aus der Unterschicht werden schon frueh abgeschrieben, ich selbst war Eines – in der aermsten Stadt Deutschlands, in Bremerhaven. Lehrer, die mich schikaniert haben vor der gesamten Klasse, zB ob ich schon den Antrag auf Ermaessigung fuer die Klassenfahrt vom Sozialamt habe, Schbueler haben mich schikaniert, warum ich staendig die gleichen Jeans trage (weil wir arm waren) der Rest der Familie ebenso, weil wir der schandfleck der Familie waren.
    Ich koennte heute genauso zum „sozialen Abschaum“ gehoeren. ein Besuch in den USA, vom Verlobten gesponsort hat mir frueh die augen geoeffnet dass ich kaum grund hatte mich, trotz Armut selbst zu bemitleiden denn was ich in den USA schon frueh beobachtet habe mit 17 Jahren – war dass es hier nur ein Motto gibt:
    Schwimme um Dein Leben (niemand nimmt Dir die Verantwortung fuer dein eigenes Leben ab)- oder sinke wie ein Stein. Wenn man nur diese 2 Moeglichkeiten hat schwimmt man besser.


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